Die Ausschreibung der ersten Professur für globale Kindergesundheit in Deutschland an der Universität Witten-Herdecke erfolgte Anfang 2017 u.a. auf Initiative der GTP, die sich mit einer Arbeitsgruppe (Reinhard Klinkott, Carsten Krüger, Peter Meissner, Andreas Schultz, Martin Weber) über vier Jahre für die Einrichtung der Professur einsetzte. Letztlich war die lange Suche nach einer Universität, die diesen Interessenbereich fördert und unterstützt, sowie nach der benötigten finanziellen Förderung im Jahr 2016 erfolgreich. Für die Finanzierung konnte die Friede-Springer-Stiftung (Berlin) gewonnen werden.

 

Prof. Dr. Ralf Weigel wird nun für fünf Jahre über die Gesundheitsversorgung, aber auch zu Themen wie ganzheitlichem Wohlergehen von Kindern forschen und lehren. „Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist über den ganzen Globus sehr ungleich verteilt, auch in einzelnen Ländern. Mein Hauptanliegen ist die Frage: Wie kann man das ändern?“, beschreibt er sein Arbeitsgebiet.
Seine zukünftige Forschung möchte Prof. Weigel auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung ansiedeln, auf der fast immer der größte Bedarf besteht und die größte Armut herrscht. In vielen Ländern Afrikas sind es oft sogenannte Community Health Workers, also angelernte Kräfte, die die Versorgung in den Dörfern übernehmen. Europa hat mehr Ärzte, aber auch hier gibt es Defizite in der Versorgung. „Es gibt in allen Ländern Menschen, die benachteiligt sind, und oft sind es auch deren Kinder, die die alte Weisheit ‚arm sein macht krank‘ zu spüren bekommen“, beschreibt er seine Motivation.

Dazu ist es für Weigel nicht nur wichtig, Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit zu beschreiben, für ihn ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO maßgebend, die als Ziel das ganzheitliche Wohlergehen festschreibt. „Als Kind nur zu überleben kann ja nicht schon alles sein. Wie unterstützen Familie und Gesellschaft ringsherum, dass es auch liebevoll aufwächst, gedeiht und einen guten Start in das Erwachsenenleben bekommt? Also sind neben medizinischen vor allem auch soziale und gesellschaftliche Faktoren für meine Arbeit wichtig.“ So leben in vielen Ländern Kinder ohne Geburtsurkunde, sind ohne Identität und dadurch großen Risiken ausgesetzt.

Und auch für die Lehre hat Weigel schon Vorstellungen, was er in Witten anbieten möchte: „Ich weiß, dass es hier eine Reihe studentischer Initiativen auch und gerade im Gesundheitsbereich gibt. Ich möchte mit meiner Arbeit dafür sorgen, dass Studierende diese hohe Bereitschaft zum Helfen weiter entwickeln. Dabei sollen sie aber auch die Fragen nach der Nachhaltigkeit eines Engagements nicht aus dem Auge verlieren. Ich habe in meiner eigenen Auslandsarbeit Kollegen gesehen, die alle Kraft für die individuelle Versorgung ihrer Patienten einsetzten. Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer hatte sich jedoch strukturell kaum etwas verändert.“

Während seiner Facharztausbildung für Kinderheilkunde an der Charité Berlin arbeitete Weigel in der HIV-Kinderambulanz und absolvierte kurze Auslandsaufenthalte in Indien und Nigeria. Diese weckten seine Leidenschaft: 2002 begab er sich für acht Jahre nach Malawi im Süden Afrikas. Hier war er sowohl als Arzt als auch als Berater im Auftrag des malawischen Gesundheitsministeriums auf beiden Seiten tätig. „Das eine ist es, ein einsatzbereiter Arzt zu sein und einen guten Kontakt zu den Patienten aufzubauen. Das andere, im Kontext globaler Empfehlungen die eigene Arbeit zu dokumentieren und zu evaluieren, um Lücken zu erkennen und so Verbesserungen zu ermöglichen“, blickt er auf diese Zeit zurück.

Zuletzt hat Weigel an der Liverpool School of Tropical Medicine als Dozent zwei Postgraduierten-Programme betreut. Hier vermittelte er jungen Ärztinnen und Ärzten, wie sie ihre Arbeit an internationalen Leitlinien ausrichten und das Gesundheitssystem ihrer Länder stärken können.

Aus der Pressemitteilung der Universität Witten-Herdecke.

Weitere Informationen