Projekte

Klinikpartnerschaft GTP-Malawi

Über das Projekt

In einem Kooperationsprojekt mit der GIZ, finanziert durch die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), engagiert sich die GTP, unterstützt durch das Forum für Internationale Gesundheit (www.foring.org), seit 2017 sehr erfolgreich in der fachärztlichen Ausbildung von Pädiatern in Malawi. Der Postgraduierten-Studiengang am College of Medicine in Malawis Hauptstadt Lilongwe wird von mehreren internationalen Partnern getragen und umfasst ebenfalls die Ausbildung von sog. „Clinical Officers“ zur Weiterbildung in der Pädiatrie. Das Projekt besteht für die GTP aus folgenden Komponenten:

  • Bis zu 6 Lehrbesuche deutscher PädiaterInnen im Jahr in Malawi
  • Durchführung von gemeindebasierter Lehre vor Ort
  • Betreuung von Forschungsprojekten, die zu Veröffentlichungen führen
  • Entsendung von freiwilligen ÄrztInnen, Krankenschwestern und Hebammen zum Unterricht vor Ort

 

Möglichkeit zur Mitarbeit - Dozenten gesucht

Für die Komponenten 1, 2 und 4 sucht die GTP zusammen mit dem BMZ kinderärztliche KollegInnen mit Lehrerfahrung oder Arbeitserfahrung in ressourcenarmen Ländern, die bereit sind, für einen begrenzten Zeitraum (ab 2 Wochen Dauer) in Malawi zu unterrichten und somit als Ausbilder oder Dozenten unser Programm zu unterstützen.

Wir würden uns über Interesse von KollegInnen freuen, die prinzipiell an einer Mitarbeit interessiert sind. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist k e i n e Voraussetzung. Weitere Informationen zum Projekt und einer Bewerbung können entweder vom Programmverantwortlichen in Deutschland Dr. Carsten Krüger (email) oder vom Projektleiter vor Ort Dr. Andreas Schultz (email) erfragt werden.

Voraussetzungen für eine Mitarbeit im Modul 1 und 2:
  • Facharzt Pädiatrie, möglichst mit Zusatzbezeichnung
  • Nachweisbare Erfahrung im Unterricht in Postgraduiertenstudiengängen
  • Arbeitserfahrung oder Lehrerfahrung im subsaharischen Afrika/Low-Ressource-Setting
Voraussetzungen für eine Mitarbeit im Modul 4:
  • Abgeschlossene Berufsausbildung in den genannten Disziplinen
  • Erfahrung im Unterricht in Bachelor- und Masterstudiengängen
  • Interkulturelle Kompetenz und Teamgeist

Alle Auslagen in Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung der Unterrichtskomponenten in Deutschland und Malawi werden übernommen, ein Gehalt kann leider nicht gezahlt werden. Reiselust, Improvisationsfähigkeit und Abenteuerlust sind von Vorteil. Wir suchen KollegInnen, die uns helfen, junge, begeisterte malawische Fachärzte in der Ausbildung zu begleiten sowie unser Weiterbildungsprogramm in der Pädiatrie für „Clinical Officers“ zu erweitern.

Derzeit gefragte Zusatzbezeichnungen ab Januar 2019:
  • Notfallmedizin
  • Intensivmedizin
  • Qualitätsmanagement
  • Neonatologie
  • Kardiologie
  • Infektiologie
  • Gastroenterologie
  • Neurologie
Derzeit gefragte Zusatzbezeichnungen ab August 2019:
  • Allergologie
  • Pulmonologie
  • Endokrinologie
  • Neuropädiatrie
  • Onkologie und Palliativmedizin
  • Nephrologie

 

Kontakt und Bewerbung

Bei Interesse schreiben Sie bitte an:
Dr. Carsten Krüger (email) - Programmverantwortlicher in Deutschland
Dr. Andreas Schultz (email) - Projektleiter vor Ort

Ferner füllen Sie bitte das Bewerbungsformular auf der Forin-Webseite aus. Dies erleichtert die Einschätzung auf malawischer Seite, inwieweit ein Einsatz sinnvoll ist.


Pädiatrische Facharztausbildung in Tansania

Nachhaltige Senkung der Kindersterblichkeit durch qualifiziertes Gesundheitspersonal

Dieses Projekt erhielt den mit 100.000 Euro dotierten Else Kröner-Fresenius-Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2016. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) zeichnete das Projekt für seine beispielhafte Konzeption, seine Nachhaltigkeit und seine Bedeutung für die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Tansania aus.

 

Erste Schritte

Im Jahr 2006 initiierte Dr. Christian Schmidt, heutiger GTP-Schatzmeister, am Bugando Medical Center/Catholic University of Health and Allied Sciences in Mwanza (Tansania) eine dreijährige pädiatrische Facharztweiterbildung. Zusammen mit anderen GTP-Mitgliedern (Dr. Werner Schimana, Dr. Carsten Krüger) entwickelte er ein praxisnahes Curriculum, welches im gleichen Jahr von Universität und staatlichen Behörden genehmigt wurde. Zu jener Zeit gab es für über 17 Millionen Kinder im ganzen Land nur 56 Kinderärzte. Die gebührenpflichtige akademische Facharztausbildung (Master of Medicine) war bis dahin nur an zwei Universitäten (Moshi, Daressalaam) möglich.
Bisher konnten in Mwanza mehr als 25 Kinderärztinnen und Kinderärzte ausgebildet werden, die alle im Land tätig sind, 11 davon am Bugando Medical Center selbst.

Im Jahr 2008 gab Dr. Schmidt die Verantwortung für die Durchführung an GTP-Mitglied Dr. Antke Züchner ab, die diese Aufgabe bis 2016 erfüllte. Dann ging die Leitung des Programms in tansanische Hände über. Jedes Jahr kommen wegen des eklatanten Ärztemangels GTP-Dozenten aus Deutschland nach Mwanza, um dort pädiatrische Subspezialisierungen zu unterrichten.

 

Neue Entwicklungen

Neu geplant ist die Ausweitung der Facharztweiterbildung auf die Universität von Dodoma. Die Leitung liegt bei einem tansanischen Pädiater, der selbst in Mwanza weitergebildet wurde. Das Facharztprogramm in Dodoma ist nach dem Vorbild Mwanzas konzipiert, bereits akkreditiert und wird seit 2017 ebenso von deutschen Dozenten aus dem Kreis der GTP unterstützt. Vermehrt sollen jedoch im Sinne eines Süd-Süd-Austausches auch Dozenten aus anderen Universitäten Tansanias und der Nachbarländer Kenia, Malawi und Uganda einbezogen werden.

Die GTP wird das Preisgeld für vier Projektkomponenten einsetzen:

  1. Vergabe von Teilstipendien über 3 Jahre an Teilnehmer des Master of Medicine-Programms in Mwanza und Dodoma
  2. Finanzierung von Hospitationen der Weiterbildungsassistenten in afrikanischen Nachbarländern und Deutschland
  3. Technische und strukturelle Unterstützung der Facharztprogramme (u.a. Medizingeräte, Fachbücher)
  4. Teilfinanzierung der Aufenthalte der Gastdozenten aus Deutschland, Tansania und den afrikanischen Nachbarstaaten

Wir danken der EKFS für die Auszeichnung und werden uns mit diesem Facharztprogramm weiter dafür einsetzen, nachhaltige Strukturen zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit in Tansania zu schaffen.


Friede-Springer-Stiftungsprofessur für Globale Kindergesundheit

Die Ausschreibung der ersten Professur für globale Kindergesundheit in Deutschland an der Universität Witten-Herdecke erfolgte Anfang 2017 u.a. auf Initiative der GTP, die sich mit einer Arbeitsgruppe (Reinhard Klinkott, Carsten Krüger, Peter Meissner, Andreas Schultz, Martin Weber) über vier Jahre für die Einrichtung der Professur einsetzte. Letztlich war die lange Suche nach einer Universität, die diesen Interessenbereich fördert und unterstützt, sowie nach der benötigten finanziellen Förderung im Jahr 2016 erfolgreich. Für die Finanzierung konnte die Friede-Springer-Stiftung (Berlin) gewonnen werden.

 

Prof. Dr. Ralf Weigel wird nun für fünf Jahre über die Gesundheitsversorgung, aber auch zu Themen wie ganzheitlichem Wohlergehen von Kindern forschen und lehren. „Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist über den ganzen Globus sehr ungleich verteilt, auch in einzelnen Ländern. Mein Hauptanliegen ist die Frage: Wie kann man das ändern?“, beschreibt er sein Arbeitsgebiet.
Seine zukünftige Forschung möchte Prof. Weigel auf der Ebene der primären Gesundheitsversorgung ansiedeln, auf der fast immer der größte Bedarf besteht und die größte Armut herrscht. In vielen Ländern Afrikas sind es oft sogenannte Community Health Workers, also angelernte Kräfte, die die Versorgung in den Dörfern übernehmen. Europa hat mehr Ärzte, aber auch hier gibt es Defizite in der Versorgung. „Es gibt in allen Ländern Menschen, die benachteiligt sind, und oft sind es auch deren Kinder, die die alte Weisheit ‚arm sein macht krank‘ zu spüren bekommen“, beschreibt er seine Motivation.

Dazu ist es für Weigel nicht nur wichtig, Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit zu beschreiben, für ihn ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO maßgebend, die als Ziel das ganzheitliche Wohlergehen festschreibt. „Als Kind nur zu überleben kann ja nicht schon alles sein. Wie unterstützen Familie und Gesellschaft ringsherum, dass es auch liebevoll aufwächst, gedeiht und einen guten Start in das Erwachsenenleben bekommt? Also sind neben medizinischen vor allem auch soziale und gesellschaftliche Faktoren für meine Arbeit wichtig.“ So leben in vielen Ländern Kinder ohne Geburtsurkunde, sind ohne Identität und dadurch großen Risiken ausgesetzt.

Und auch für die Lehre hat Weigel schon Vorstellungen, was er in Witten anbieten möchte: „Ich weiß, dass es hier eine Reihe studentischer Initiativen auch und gerade im Gesundheitsbereich gibt. Ich möchte mit meiner Arbeit dafür sorgen, dass Studierende diese hohe Bereitschaft zum Helfen weiter entwickeln. Dabei sollen sie aber auch die Fragen nach der Nachhaltigkeit eines Engagements nicht aus dem Auge verlieren. Ich habe in meiner eigenen Auslandsarbeit Kollegen gesehen, die alle Kraft für die individuelle Versorgung ihrer Patienten einsetzten. Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer hatte sich jedoch strukturell kaum etwas verändert.“

Während seiner Facharztausbildung für Kinderheilkunde an der Charité Berlin arbeitete Weigel in der HIV-Kinderambulanz und absolvierte kurze Auslandsaufenthalte in Indien und Nigeria. Diese weckten seine Leidenschaft: 2002 begab er sich für acht Jahre nach Malawi im Süden Afrikas. Hier war er sowohl als Arzt als auch als Berater im Auftrag des malawischen Gesundheitsministeriums auf beiden Seiten tätig. „Das eine ist es, ein einsatzbereiter Arzt zu sein und einen guten Kontakt zu den Patienten aufzubauen. Das andere, im Kontext globaler Empfehlungen die eigene Arbeit zu dokumentieren und zu evaluieren, um Lücken zu erkennen und so Verbesserungen zu ermöglichen“, blickt er auf diese Zeit zurück.

Zuletzt hat Weigel an der Liverpool School of Tropical Medicine als Dozent zwei Postgraduierten-Programme betreut. Hier vermittelte er jungen Ärztinnen und Ärzten, wie sie ihre Arbeit an internationalen Leitlinien ausrichten und das Gesundheitssystem ihrer Länder stärken können.

Aus der Pressemitteilung der Universität Witten-Herdecke.

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