Stiftung für internationale Kindergesundheit (SIKG) e.V.

Satzung

Zur Entstehung und Geschichte der Stiftung

1983 wurde die Stiftung für Internationale Kindergesundheit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) e.V. (vormals Hermann-Mai-Stiftung) gegründet und von der AG Tropenpädiatrie, die zu dieser Zeit eine AG der DGKJ war, inhaltlich betreut. 2003 ging aus dieser AG ein eingetragener Verein, später in Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit (GTP) e.V. umbenannt, hervor, der die Verbesserung der Kindergesundheit weltweit, insbesondere in Ländern mit limitierten Ressourcen, zum Ziel hat.

Die DGKJ gründete die Stiftung mit dem Ziel, Ärztinnen und Ärzte, in der Regel aus Deutschland, auf Einsätze in der Pädiatrie und zur Förderung der Gesundheit von Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern vorzubereiten. Außerdem sollten Projekte unterstützt werden, die der Prävention und Therapie häufiger Krankheiten in ressourcenarmen Ländern und der Weiterbildung einheimischer Ärztinnen und Ärzte sowie weiterer Gesundheitsfachberufe dienen. Ausgangspunkt war der damals (und noch heute fortbestehende) große Bedarf an pädiatrischer Fortbildung für eine Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit.

Die Stiftung wurde von der DGKJ mit einem Stiftungskapital von 50.000 DM ausgestattet. Die Universitätskinderkliniken in Tübingen, Gießen, Heidelberg und Hannover waren anfangs involviert. Insgesamt wurden 31 Ärztinnen und Ärzte zwischen 1983 und 1997 unterstützt, um den pädiatrischen Stationsalltag, insbesondere Neonatologie und Infektionsstation, die Notfallversorgung und pädiatrische Techniken, wie die Untersuchung des Kindes, Venen- und Lumbalpunktion, kennen zu lernen.

Ab 1997 trat die Unterstützung von Kindergesundheitsprojekten in den Vordergrund: die meisten Förderungen erhielten Projekte, die an Orten implementiert wurden, an denen sie Studien- oder Fortbildungsprojekte deutscher Pädiaterinnen und Pädiater ergänzten. Eine weitere Entwicklung war die fachliche Förderung von Kolleginnen und Kollegen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, zum Beispiel zu Fortbildungsaufenthalten an Kinderkliniken in Deutschland und Weiterbildungen in ihren Heimat- oder Nachbarländern.

Aufgrund der inhaltlichen Expertise wurde im Mai 2022 die Stiftung aus der Trägerschaft der DGKJ an die GTP übergeben. Der Name wurde dabei auf ‚Stiftung für internationale Kindergesundheit‘ verkürzt. Zur ausführlichen Geschichte der Stiftung und zur Namensänderung siehe weiter unten den Abschnitt ‚Zur Namenshistorie der Stiftung‘ auf dieser Seite und die Beiträge in der Monatsschrift Kinderheilkunde 2016, 2018 und 2022. [1, 2, 3]


Ziele der Stiftung

  1. Fachliche Qualifizierung von Kinderärztinnen und Kinderärzten für Tätigkeiten zur Förderung der Gesundheit von Kindern in Ländern mit eng begrenzten finanziellen Ressourcen.
  2. Unterstützung von Projekten, die der unmittelbaren Prophylaxe und Therapie häufiger Gesundheitsstörungen in benachteiligten Ländern und der Ausbildung einheimischer Ärztinnen und Ärzte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen dienen.
  3. Der Stiftungszweck wird auch verwirklicht durch finanzielle Zuwendungen an gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen zur Förderung der Kinder- und Jugendgesundheit in Ländern mit begrenzten Ressourcen.
Satzung

Stiftungsstruktur

Die Stiftung wird von dem Vorstand, bestehend aus Vorsitzender/-dem und Schriftführer/-in, geleitet. Als Beirat fungiert der Vorstand der GTP, als Stiftungsrat bis zu fünf Persönlichkeiten der Kinder- und Jugendmedizin, der globalen Gesundheitsarbeit und des öffentlichen Lebens. Die Stiftung untersteht der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium in Tübingen und ist seit der Gründung als gemeinnützig anerkannt.

Vorsitzende

1983–1985        Prof. Jürgen Bierich (Tübingen) †

1985–2000        Prof. Helmut Wolf (Gießen) †

2000–2022        Prof. Michael Krawinkel (Gießen)

2022 – heute     PD Dr. Carsten Krüger (Ahlen)

Schriftführer

1983–2012        Dr. Rolf Huenges (Villingen-Schwenningen)

2012 – heute     Dr. Benno Kretzschmar (Eisenach)

Beirat

2001–2015         Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Tropenpädiatrie (ATP)

2016 – heute     Vorstand der Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit (GTP) e. V.

Stiftungsrat

2011–2022         Prof. Peter Hoyer (Essen), Prof. Hans-Iko Huppertz (Bremen), Prof. Kurt Ullrich (Hamburg)

2022 – heute     PD Dr. Carolin Kröner (München), Prof. Dominik Schneider (Dortmund), Prof. Hans-Iko Huppertz (Bremen), Prof. Walter Bruchhausen (Bonn), NN


Richtlinien für Anträge und die Mittelvergabe

Gefördert werden von der Stiftung gemäß der Satzung Projekte oder Personen, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Gemeinnütziger Zweck
  • Ziel ist die Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien in Ländern mit limitierten Ressourcen.
  • Arbeit vor Ort oder Vorbereitung auf eine unmittelbar bevorstehende Tätigkeit oder sonstige Aus-, Weiter- oder Fortbildungen in der Pädiatrie und Kindergesundheit von Personen aus Ländern mit limitierten Ressourcen.

Die Stiftung vergibt Mittel in der Regel auf Vorschlag bzw. Antrag von Expertinnen oder Experten oder Kinderärztinnen und Kinderärzten, die humanitäre Hilfe leisten oder sich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Auch Anträge von einheimischen Expertinnen oder Experten sind möglich.

Aus den Anträgen (ein spezielles Format ist nicht vorgegeben) muss zu erkennen sein, dass die Situation der Kinder und Jugendlichen vor Ort konkret verbessert wird. Die Stiftung ist keine Stiftung zur Forschungsförderung. Generell nicht förderfähig sind Projekte und Programme, die von anderen Organisationen durchgeführt werden, die selbst auf Spendenbasis arbeiten.

Da die Stiftung nur über begrenzte Fördermittel verfügt, wird sie die Unterstützung von Projekten bevorzugen, bei denen durch einen mittleren Förderbetrag von circa 1.500-2.500 Euro ein Effekt für die Kinder und Jugendlichen vor Ort erreicht werden kann. Beispiele für erfolgreiche Förderungen sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Sie zeigen das breite Spektrum der geförderten Projekte und sollen Sie ermutigen, auf die Stiftung entsprechend zuzugehen. Gerne stehen wir bei Fragen beratend zur Seite.

Mit der Annahme von Fördermitteln verpflichten sich die Antragssteller, über die satzungsgemäße, sachlich und rechnerisch korrekte Verwendung der Mittel Rechenschaft abzulegen. Geförderte Projekte sollen auf einer nachfolgenden Jahrestagung der GTP vorgestellt werden.

Weitere Informationen für Ihren Antrag an die Stiftung finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Anträge!

Förderanträge

richten Sie bitte an den Schriftführer

Dr.med. Benno Kretzschmar

Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin „Dr. Siegfried Wolff“

Mühlhäuserstr. 95

D-99817 Eisenach

Fax: +49 3691 – 6987260

kretzschmar(a)stgeorgklinikum.de

oder an den Vorsitzenden

PD Dr. med. Carsten Krüger

Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am St. Franziskus-Hospital

Robert-Koch-Str. 55

59227 Ahlen

Fax: +49 2382 – 858923

carsten.krueger(a)sfh-ahlen.de


Ausgewählte (Teil-)förderungen der Stiftung (1983-2022)

Etablierung von Emergency Triage, Assessment & Treatment (ETAT)-Kursen in Burundi (Fact Finding Mission) Burundi
Unterstützung eines kinderchirurgischen Workshops zu Gastroschisis, Mbeya Tansania
Zuschuss für das Bachelor-Studium einer Neugeborenen-Krankenschwester am Mu-himbili-Hospital, Dar-es-Salaam Tansania
Ausbildung zum Bachelor in Paediatric Health Nursing für eine Kinderkranken-schwester Malawi
Zuschuss für eine neonatologische Leitlinienkonferenz in Dar es Salaam Tansania
Reise- und Aufenthaltskosten für EEG-Weiterbildung eines Mitarbeiters des Caritas Kinderkrankenhauses in Bethlehem, Palästina, in Deutschland Palästina
Anschaffung eines O2-Konzentrators für die Kinderklinik in Dodoma Tansania
Produktion von Medical Face Shields mittels 3D Drucker und Anschaffung von dringend benötigter Schutzkleidung für die Neugeborenen-Abteilung am Muhimbili National Hospital in Dar-es-Salaam Tansania
Studiengebühren für die Ausbildung zur Kinderärztin einer tansanischen Kollegin am Muhimbili-Hospital, Dar-es-Salaam Tansania
Zuschuss für den Kauf von zwei Bubble CPAP Geräten, Kinderklinik in Mbeya Tansania
Übernahme der Kursgebühren für die Teilnahme von 5 tansanischen Ärzten an einem pädiatrischen Echokardiographie-Kurs am Herzzentrum in Dar es Salaam Tansania
Anschaffung von Nabelvenenkathetern für die Neugeborenenabteilung am Muhimbili National Hospital, Dar-es-Salaam Tansania
Anschaffung eines Spannungsstabilisators für ein Ultraschallgerät, Uni-Kinderklinik in Dar-es-Salaam Tansania
Einsatz einer Kinderkrankenschwester auf der Neonatologie der Uni-Kinderklinik in Dar-es-Salaam Tansania
Flugkosten eines Dozenten im Rahmen der Facharztausbildung in Mwanza Tansania
Zuschuss für die Anschaffung eines Sonographie Gerätes für die GTP für Ultraschallkurse Tansania, Deutschland
Reisekosten für Referenten, Druckkostenübernahme Internationale Tropenpädiatrische Konferenz, Nairobi Kenia
Unterstützung Kindergesundheitsstation in Chilamphuma Malawi
Reisekostenzuschuss für Dozentin Kinder-Echokardiographie-Kurs in Asella Äthiopien
Reisekosten für einen Medizinhistoriker für Recherchen zu Hermann Mai Deutschland
Teilnahme einer Kinderärztin aus Tansania an einer regionalen kinderkardiologischen Konferenz Tansania
Reparatur eines Ultraschallgerätes, Ersatz einer Ultraschallsonde, Kinderklinik Mwanza Tansania
Ausbildung von Gesundheitspromotoren in La Paz Bolivien
Ausbildung von Promotoren zur Stillberatung in Entbindungskliniken, La Paz Bolivien
Improving Quality of life and health program for children, Tucano City Brasilien
Unterstützung einer Hebamme in Glanglé Elfenbeinküste
Schistosomiasis-Behandlung von Schulkindern Ghana
„The Health of the Child in the Community“ – Seminar,Tamale Ghana
Unterstützung Soeur M. de la Croix, Port au Prince Haiti
Mzuzu-Universität/Pädiatrie-Upgrading Malawi
Basisgesundheits-Ausbildungsprojekt APROSAPAN in Nueva Guinea Nicaragua
Ernährungsprojekt an der Escuela Jan Amos Nicaragua
Wassertankprojekt Comenius Schule, Nueva Guinea Nicaragua
Arbeit der Kinderabteilung im Krankenhaus Maiduguri Nigeria
Unterstützung der Kinderabteilung, State Specialist Hospital Maiduguri Nigeria
Revolving Drug Fund für Kinder mit Sichelzellanämie in Maiduguri Nigeria
Arbeit eines Gesundheitspostens in Cusco Peru
Stationäre Behandlung von Kindern aus Clinetown, Freetown Sierra Leone
Paediatric Continuing Education Program; KCMC, Moshi Tansania
Sauerstoffkonzentratoren, Haydom Lutheran Hospital Tansania
Reparatur EEG-Gerät, KCMC, Moshi Tansania
Zusatzschallkopf, portables Ultraschallgerät, Bugando Hospital, Mwanza Tansania
Pädiatrie – Fortbildung, ATP e. V. mit dem KCMC, Moshi Tansania
Gerät für Hörscreening, Pädiatrie-Department, KCMC, Moshi Tansania
Community Based Epilepsy Care im Kabarole-Distrikt Uganda
Bugaya Subcounty Community Nutrition Project Uganda
Projekt gegen traditionelle Zahn-Extraktion bei Säuglingen, Gulu-Universität Uganda
Rural Health Feeding Program, Gesundheitsberatung & Impfprogramm, Hué Vietnam
Verbesserung der Versorgung, Univ.-Kinderklinik Hué Vietnam
Primary Health Care Projekt für Kinder unter 5 Jahren, Hué Vietnam
Unterstützung für Kinder nach der Flutkatastrophe in Hué Vietnam
Nutritional Recovery, Huong Ho Village, Hué Vietnam

Zustiftungen und Spenden

Kontoverbindung

Stiftung für internationale Kindergesundheit e.V.

Wartburg-Sparkasse

BIC: HELADEF1WAK

IBAN: DE 45 8405 5050 0012 0298 31

 

Geben Sie bitte Ihren vollständigen Absender an, damit wir Ihnen eine steuerlich absetzbare Spendenquittung zusenden können. Seit ihrer Gründung ist die Stiftung vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt.

Finanziell gelang es dem langjährigen Schatzmeister Dr. Rolf Huenges und seinem Nachfolger Dr. Benno Kretzschmar, das Stiftungskapital von 50.000 DM (später 25.000 EUR) erfolgreich anzulegen, sodass es trotz der starken Schwankungen am Kapitalmarkt bis heute stabil geblieben ist.


Zur Namenshistorie der Stiftung

Der Name der Stiftung wurde bei ihrer Gründung 1983 gewählt, weil sich Prof. Hermann Mai vor und nach seiner Emeritierung als Leiter der Universitätskinderklinik Münster persönlich stark für das Krankenhaus von Albert Schweitzer in Lambarene/Gabun eingesetzt und dort auch gearbeitet hatte.

Nachdem Einzelne schon früher auf eine nationalsozialistische Verstrickung des Namensgebers der Stiftung, Hermann Mai, hingewiesen hatten, wurde diese Problematik seit 2012 intensiver und systematisch bearbeitet, fachlich von Herrn Privatdozent Dr. Sascha Topp, Berlin/Gießen, mit finanzieller und ideeller Unterstützung durch die Stiftung selbst. Sascha Topp veröffentlichte die Ergebnisse seiner Studien 2016 und dokumentierte mit zahlreichen Details, dass Hermann Mai nicht nur überzeugter Nationalsozialist war, der u. a. zumindest Kandidat für den Sicherheitsdienst der SS war. Hermann Mai betätigte sich freiwillig als Beisitzer am Erbgesundheitsgericht München, wo er an Urteilen zur Zwangssterilisation von mindestens 12 Frauen und Männern beteiligt war. Unter den sogenannten Urteilsgründen wurde dort u. a. ‚Widerspruchsgeist‘ angeführt [1].

Diese Erkenntnisse führten dazu, dass im Jahr 2016/2017 ein Diskussionsprozess zunächst in der GTP und dann in der Historischen Kommission der DGKJ begann, der schließlich mit der Umbenennung der Stiftung zum Abschluss kam. Die Satzung der Stiftung für internationale Kindergesundheit beginnt aus diesem Grunde jetzt mit der Präambel:

„1983 wurde die nach dem Kinderarzt Prof. Dr. Hermann Mai benannte Stiftung von der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde gegründet. Sie zielt darauf ab, die Kindergesundheitspflege in Entwicklungsländern zu unterstützen. Im Jahr 2017 wurde die Stiftung umbenannt, nachdem neuere Untersuchungen gezeigt haben, dass Hermann Mai nicht nur die NS-Ideologie aktiv unterstützt hat, sondern insbesondere eine aktive Rolle in Verfahren zur Zwangssterilisierung von Frauen und Männern übernommen hatte. Dies muss als ärztliches Fehlverhalten gewertet und auch in Erinnerung gehalten werden.“

 

Referenzen

  1. Topp S (2016) „Und jetzt nach Lambarene“ Hermann Mai – Direktor der Universitäts-Kinderklinik Münster (1943) 1950–1970. Monatsschr Kinderheilkd 164(S1):34-40
  2. Krawinkel M (2018) Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ. Monatsschr Kinderheilkd 166:172-173
  3. Krüger C (2022) Stiftung für internationale Kindergesundheit. Monatsschr Kinderheilkd 170:853-856