GTP Code of Conduct (Verhaltenskodex) 2025
Präambel
Dieser Code of Conduct wurde auf der 43. Mitgliederversammlung der GTP am 03.05.2025 in Gießen verabschiedet.
Er richtet sich an GTP-Mitglieder und GTP-Mitarbeiter:innen in Projekten, bei GTP- Veranstaltungen und in der Forschung.
Der Code of Conduct soll als lebendiges Dokument verstanden werden, welches konstanter Reflexion und, sofern nötig, Überarbeitung unterliegt. Überarbeitungen müssen von der Mitgliederversammlung verabschiedet werden.
Eine Mitgliedschaft bei oder Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit (GTP) bedeutet für mich professionelles Engagement für die globale Kindergesundheit. Im Sinne der Mission und Vision der GTP liegt meinem Wirken das Ziel zugrunde, die globale Kindergesundheit positiv zu beeinflussen. Ich werde die in diesem Code of Conduct enthaltenen Konzepte und Werte als Leitfaden für meine Beurteilung, meine Arbeit und meine Interaktionsstrategien anerkennen und sicherstellen.
Der GTP-Vorstand ist für die Umsetzung des Code of Conduct verantwortlich. Mögliche Verstöße gegen den Verhaltenskodex können vertraulich und auch anonym an codeofconduct@globalchildhealth.de gemeldet werden. Alle drei Jahre werden zwei Ombudspersonen ernannt, die die eingehenden Meldungen überwachen und darauf reagieren.
Im Sinne des kontinuierlichen Lernens können auch Vorfälle oder Bedenken gemeldet werden, die bereits geklärt sind oder in diesem Code of Conduct nicht erwähnt werden, um unser Verständnis für Situationen zu schärfen, die zu kritischen Vorfällen führen, und um Wege zu finden, sie anzugehen und zu verhindern.
GTP Vision
Alle Kinder auf der Welt sollen gesund aufwachsen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und soziokulturellem Umfeld.
GTP Mission
Wir setzen uns für das Recht der Kinder auf Gesundheit ein. Wir begleiten Partnerschaften und Projekte in Klinik und Forschung und unterstützen Ausbildung und fachlichen Austausch im Bereich der globalen Kindergesundheit.
Repräsentation und Rechenschaftspflicht
Wir kommen grundlegend überein, dass
- unsere Interaktionen nicht durch geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung, Behinderung, Macht- oder Autoritätsungleichgewichte oder den soziokulturellen, erzieherischen, religiösen, politischen, wirtschaftlichen und ethnischen Hintergrund beeinträchtigt werden dürfen.
- wir ein integratives, ermutigendes und nicht wertendes Umfeld fördern, in dem sich jede:r willkommen, sicher und akzeptiert fühlt.
- wir die persönlichen Rechte und die Würde der/des Einzelnen schätzen und respektieren.
- wir die Sicherheit und das Wohlergehen von uns selbst und anderen schützen und unnötige Risiken für uns selbst oder andere vermeiden.
- vulnerable Gruppen wie Kinder und Jugendliche bei all unseren Aktivitäten besonders geschützt werden müssen. Wir lehnen jede Form von körperlicher oder verhaltensbedingter Gewalt sowie Diskriminierung ab.
- wir jede Form von Korruption, Betrug, Geldwäsche, Erpressung, Veruntreuung oder Bestechung verurteilen und unterlassen.
Wir erkennen an, dass unsere Arbeit direkte Auswirkungen auf den Ruf der GTP hat und werden daher
- sicherstellen, dass die in diesem Code of Conduct enthaltenen Konzepte und Werte in all unseren Handlungen, in jeder verbalen oder visuellen Kommunikation und in der Darstellung der GTP, unserer Projekte und Kooperationen in den Medien zum Ausdruck kommen.
- von Handlungen absehen, die der Außendarstellung der GTP schaden.
- für offizielle Darstellungen die Zustimmung des GTP-Vorstands einholen.
Kommunikation
In Anerkennung existierender Unterschiede in Bezug auf Werte, Bräuche und Überzeugungen wählen wir, ortsunabhängig, einen respektvollen und kultursensiblen Kommunikationsstil, frei von Diskrimination.
Wir fordern unsere Mitglieder und Partner:innen auf, achtsam bezüglich stereotyper Darstellungen zu sein und in der verbalen und nonverbalen Kommunikation keine diskriminierende oder respektlose Sprache oder Bildsprache zu verwenden.
Wir streben an, unsere Kommunikationsfähigkeiten und -stile kritisch zu hinterfragen, um respektvolle, verständnisvolle und auf Augenhöhe geführte Gespräche mit allen Kolleg:innen und Partner:innen zu ermöglichen: Wo immer möglich, setzen wir eine geschlossene Kommunikation ein, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Wir geben Informationen transparent weiter und stellen sicher, dass jede Person alle für ihre Rolle relevanten Informationen erhält. Es werden keine Informationen zum persönlichen Vorteil zurückgehalten.
Wir reflektieren unsere Rolle in jedem Umfeld (z. B. Gastgeber:in oder Gast, Moderator:in, Partner:in, Angehörige der Gesundheitsberufe oder Patient:innen) sowie die Macht, die unsere Position in der jeweiligen Situation hat und bewahren eine Haltung der Anerkennung und Wertschätzung gegenüber unseren Kolleg:innen, Partner:innen und Patient:innen.
Als Mitglieder der GTP bemühen wir uns um ein Bewusstsein für lokale Umgangsformen und versuchen, unterschiedliche Hierarchien außerhalb unseres gewohnten Umfelds zu verstehen. Dazu gehört auch, dass wir Aufgabenverteilungen innerhalb eines Teams berücksichtigen und zunächst versuchen, ungewohnte Arbeitsabläufe nachzuvollziehen.
Wir gehen in jeder Situation achtsam und transparent mit unseren eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten um und scheuen uns nicht, unsere Grenzen und Schwächen einzugestehen, wenn es nötig ist.
Gemeinsam und voneinander lernen
Als GTP, ihre Mitglieder und Mitarbeitenden sind wir bestrebt, voneinander und miteinander zu lernen. Dazu gehört die Zusammenarbeit innerhalb der GTP sowie mit externen Partner:innen.
Wir erkennen an, dass jeder Mensch seine Kompetenzen und Fähigkeiten, aber auch seine Grenzen hat. Wir erkennen ebenso an, dass die Mitglieder und Partner:innen der GTP unterschiedliche Biografien und Wahrnehmungen haben und dass wir möglicherweise unterschiedliche Werte vertreten. Wir können voneinander lernen und professionell arbeiten, ohne uns in allen Fragen einig zu sein.
Wenn wir miteinander kommunizieren, wollen wir lernen uns dem regionalen Kontext angemessen auszudrücken und zu verhalten. Wir legen Wert darauf, dass wir mit Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe kommunizieren, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, sexuellen Orientierung und ihrem soziokulturellen, bildungsbezogenen, religiösen, wirtschaftlichen, politischen und ethnischen Hintergrund.
Wenn wir mit Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenarbeiten halten wir es für selbstverständlich und für die Verantwortung jedes Einzelnen, sich über die Geschichte und Kultur zu informieren und Interesse aneinander zu zeigen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Im Rahmen von internationalen Kooperationen informieren wir uns über die jeweiligen rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen und befolgen diese. Insbesondere im Forschungsumfeld informieren wir uns über die Anforderungen an die Patienten- und Persönlichkeitsrechte und legen dabei stets das höchstmögliche Niveau an. Daher dürfen weder persönliche Informationen noch audiovisuelles Material ohne schriftliche Zustimmung für Forschungs- oder GTP-Zwecke verwendet werden.
Bevor wir uns aktiv auf ein neues Umfeld einlassen, beobachten wir zunächst angewandte Richtlinien und Arbeitsabläufe und machen uns bewusst, dass die Routinen von unseren bisherigen Erfahrungen abweichen können. Wir erkennen an, dass Begleitumstände und Arbeitsbedingungen heterogen sein können. Wir schaffen Raum für unterschiedliche Sichtweisen, um gemeinsame Lösungen und konstruktive Kritik zu ermöglichen.
Aufbau nachhaltiger und gleichberechtigter Partnerschaften
Wir bemühen uns um den Aufbau nachhaltiger und gleichberechtigter Partnerschaften auf der Grundlage gegenseitiger Wertschätzung.
Wir sind uns bewusst, dass internationale Gesundheitsbildung, Partnerschaften und Projekte häufig von einem Machtungleichgewicht geprägt sind, das sich z. B. in finanziellen Ungleichheiten äußert und koloniale Einfluss- und Kontrollmechanismen wiederbelebt.
Projekte und Partnerschaften sowie Forschungs- und Bildungsaktivitäten im Namen des GTP sollten daher durch einen bidirektionalen Wissenstransfer gekennzeichnet sein, der unterschiedliche Wissenssysteme (mündlich, schriftlich), Ressourcen und gelebte Erfahrungen anerkennt.
Wir streben daher an, strukturelle Ungleichheiten und vorherrschende Denkweisen kritisch zu reflektieren. Wir versuchen, ein einladendes, nicht wertendes Umfeld zu schaffen, in dem jede:r zu einem offenen Diskurs darüber, wie diese Ungleichheiten im Rahmen der Partnerschaft oder des Projekts überwunden werden können, eingeladen ist. Die Forschungs- und Projektziele werden gemeinsam in einem partizipativen Prozess festgelegt, der alle relevanten Interessengruppen und die von der Forschung oder dem Projekt Betroffenen einbezieht und ihre Perspektiven, Wünsche und Bedenken berücksichtigt.
Wir verlangen von allen unseren Mitgliedern und Partner:innen, die an unseren Aktivitäten und Projekten beteiligt sind, dass sie sich ihrer Positionierung und der expliziten und impliziten Machtstrukturen in dem jeweiligen Umfeld bewusst sind. Wir sind der Meinung, dass Macht, Richtlinien und Führungspositionen in unseren Projekten auf der Grundlage von Kompetenz und nicht auf der Grundlage von Status oder anderen Merkmalen (z. B. ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht) zugewiesen werden sollten. Dies sollte sich in einer gleichmäßigen Verteilung der Forschungsleitung, des Dateneigentums und einer genauen und fairen Anerkennung der Beiträge widerspiegeln.
Alle Aktivitäten und Projekte im Namen der GTP sollten auf einer kritischen Reflexion der Auswirkungen auf lokale Strukturen, Gemeinschaften und die Umwelt beruhen. Wir fordern alle, die an GTP-assoziierten Aktivitäten beteiligt sind, auf, im Sinne eines One Health Ansatzes kritisch über die Nutzung menschlicher, natürlicher und planetarer Ressourcen nachzudenken. Gleichzeitig erkennen wir in all unseren Projekten den Einfluss sozialer Determinanten von Gesundheit auf unsere Zielgruppen an und setzen uns für den Abbau solcher Ungleichheiten bzw. Ungerechtigkeiten ein.
Kinderschutz und Förderung der Rechte von Kindern und Jugendlichen
Als Mitglieder und Partner:innen der GTP verpflichten wir uns, ein gesundes und sicheres Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen weltweit zu fördern. Wir erklären daher, dass wir uns in all unseren Positionen, Entscheidungen und Handlungen von den folgenden Grundsätzen leiten lassen:
- wir unterlassen Handlungen, die Kinder und Jugendliche in Gefahr bringen, Schaden zu nehmen.
- Wir setzen uns aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und tragen dazu bei, ein sicheres Umfeld für Kinder und Jugendliche zu schaffen, um sie vor körperlicher, sexualisierter oder emotionaler Gewalt oder Vernachlässigung zu schützen.
- wir respektieren die Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen und gehen verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Wir unterlassen Beziehungen oder Handlungen, die Kindern und/oder Jugendlichen schaden könnten, wie z.B. überwältigende oder aufdringliche Sprache, unnötiger Körperkontakt oder andere Handlungen.
- wir handeln in unserer Rolle gegenüber Kindern und Jugendlichen, ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld sorgfältig und transparent und berücksichtigen das potenzielle Machtungleichgewicht zwischen Vertreter:innen von Organisationen und Einzelpersonen sowie zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen.
- wir gehen keine sexuellen Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen ein und missbrauchen oder beuten sie in keinster Weise aus.
- wir ermutigen Kinder und Jugendliche sich zu äußern, wenn sie sich misshandelt oder missbraucht fühlen
- Kindern und Jugendlichen, die Missbrauch oder Verletzungen ihrer Rechte melden, bieten wir Unterstützung an und helfen ihnen angemessene Schritte zur Verbesserung der Situation und der Sicherheit des geschädigten Kindes oder Jugendlichen zu unternehmen, wobei vorrangig die Wünsche und Anliegen des Kindes oder Jugendlichen zu respektieren und zu berücksichtigen sind
Wir verlangen von unseren Mitgliedern und Partner:innen, dass sie die potenziell unterschiedlichen rechtlichen Auswirkungen und den gesellschaftlichen Konsens in verschiedenen Kontexten berücksichtigen und die oben genannten Leitlinien so anwenden, dass das höchstmögliche ethische Niveau gewährleistet ist.

